ELER & Umwelt

Welche Möglichkeiten bietet die neue EU-Förderperiode für den Umwelt- und Naturschutz?

Online-Tagung am 2. und 3. März 2021

Aus Sicht von Prof. Dr. Sebastian Lakner von der Universität Rostock bietet die GAP insbesondere durch eingriffsintensive Agrar- und Umweltmaßnahmen der 2. Säule gute Möglichkeiten zum Natur- und Umweltschutz. Das Greening trug bislang nur insofern dazu bei, indem es die 2. Säule von weniger effizienten, hellgrünen Maßnahmen entlastete. Eine ähnliche Strategie empfiehlt er auch für die neuen Ökoregelungen, die das Greening zukünftig ersetzen. Auch Teilnehmende stimmen zu, dass sich AUKM und 1. Säule besser ergänzen, anstatt in Konkurrenz zu stehen.

In der neuen Förderperiode sollen beide Säulen der GAP aber erstmals gemeinsam programmiert werden, so Dr. Sebastian Elbe vom Monitoring- und Evaluierungsnetzwerk Deutschland (MEN-D). So ließe sich die bislang fehlende Kohärenz zwischen 1. und 2. Säule möglicherweise besser abstimmen.

Einig sind sich Lakner und Elbe: Auch die neue Förderperiode bietet Chancen, um den Natur- und Umweltschutz voranzubringen. Klar ist aber, dass die GAP nicht das einzige Finanzierungsinstrument für die großen Herausforderungen der Zukunft ist.

Wir sammeln Ihre Gedanken zum Thema!
Welche Fördermöglichkeiten für Natur und Umwelt haben sich bewährt, sind ausbauwürdig oder sollten eingeführt werden? Schreibe Sie Ihre Ideen und Anregungen in unser Padlet.

Workshops

Das Thüringer Punktemodell als Agrarumweltmaßnahme

In der neuen Förderperiode soll das "Thüringer Punktemodell" handlungsorientierte Agrarumweltmaßnahmen bündeln die zum Schutz der Biodiversität beitragen. Beantragen Landwirte das Punktemodell, können sie innerhalb des fünfjährigen Verpflichtungszeitraums, jährlich aus optionalen Maßnahmen wählen. Der Betrieb verpflichtet sich somit einer Gesamtleistung auf seiner Ackerfläche zu erbringen. Das vereinfacht die Verwaltung für Behörden und Praktiker. Ziel ist es, die Akzeptanz der Maßnahmen zu erhöhen. Dr. Thomas Meier vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung hält den Vorschlag aus Thüringen für vielversprechend, da er auf Bekanntem aufbaut und Landwirten die Möglichkeit bietet Maßnahmen, einfach auszuprobieren. Gleichzeitig berücksichtigt das Modell die Anforderungen der neuen GAP. Die Rückmeldung der EU-Kommission zum Vorschlag stehen noch aus.

Die Zukunft der Moorbewirtschaftung

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege DVL befasste sich gemeinsam mit dem Verband der Landwirtschaftskammern VLK mit der Fragestellung, wie zukünftig eine besser angepasste Landbewirtschaftung auf Moorböden auch den Zielen des Klimaschutzes gerecht werden kann.

Der erste Teil des Workshops stellte dar, wie Veränderungen im Wasserhaushalt und -abfluss rechtlich abgesichert und von einem Unterhaltungsverband umgesetzt werden können.

Im zweiten Teil berichteten zwei Landwirte von ihren Bewirtschaftungsweisen auf Moorböden. In Brandenburg werden nasse Grünlandflächen sowohl zur Futterverwertung und Produktion von Ersatzstoffen gemäht, als auch durch Wasserbüffel beweidet. Aus Niedersachsen wurde von intensiver Milchviehhaltung mit hoher Wertschöpfung auf Moorböden berichtet.

Praxisnahe Impulse für zukünftige Fördermöglichkeiten

Im gemeinsam von Umweltstiftung Michael Otto (UMO) & Deutscher Bauernverband e. V. (DBV) umgesetzten Workshop wurden Impulse aus Forschung und Praxis für die künftige Ausgestaltung der Agrarumweltprogramme gesetzt. Über 80 Teilnehmende aus Verwaltung, Politik, Naturschutz und Landwirtschaft beteiligten sich interaktiv an Umfragen und Diskussionen. Thematisiert wurden Hemmnissen und Handlungsoptionen für mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft auf Basis der F.R.A.N.Z.-begleitenden Studien des Thünen-Instituts für Ländliche Räume. Einigkeit bestand darin, dass Maßnahmen flexibler gestaltet und die Beratungen von Einzelbetrieben mehr gefördert werden müssen. Außerdem besteht Bedarf, den Verwaltungsauffand für Landwirte und Behörden abzubauen. Die Nutzung digitaler Tools wie der NatApp können dabei unterstützen. Wichtig sei jedoch, dass Vereinfachungen die Praktikabilität erhöhen und nicht zu Lasten der ökologischen Wirksamkeit von Maßnahmen führen. Hierzu zeigte das F.R.A.N.Z.-Projekt auch einige ökologisch vielversprechende Maßnahmen.

Waldumbau in Zeiten des Klimawandels

Vor dem Hintergrund, dass es dem deutschen Wald laut aktuellem Waldzustandsbericht extrem schlecht geht, zeigte Professor Dr. Oliver Gailing auf, wie sich unsere Bäume unter klimatischen Stressbedingungen verändern und welche Baumarten überhaupt noch zukunftsweisend sind.

Bundesministerin Julia Klöckner gab erst kürzlich bekannt, dass durch die Aufstockung des Investitionsprogramms Wald mit rund 1,5 Milliarden Euro ein nachhaltiger Waldumbau maßgeblich gefördert wird. Der Frage wie eine effiziente Förderung in der Praxis aussehen könnte, widmete sich Tom Helbig des Staatsbetriebs Sachsenforst.

Neue Modelle zur Umsetzung regionaler Agrarnaturschutzmaßnahmen

Landschaftspflegeorganisationen setzen in Deutschland überbetrieblichen Agrarnaturschutz um. Im Workshop hat der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) den Ausbau und die Weiterentwicklung dieser Kooperationen diskutiert. Die vorgestellten Praxisbeispiele reichten vom Wiesenbrüterschutz in Schleswig-Holstein über einen Biotopverbund in Sachsen bis zu artenreichem Grünland in Bayern. Folgende zentralen Punkte ergaben sich im Workshop:

  1. Bestimmte Umwelt- oder naturschutzfachliche Ziele, wie Biotopverbund oder Wiesenvogelschutz, müssen im Landschaftszusammenhang umgesetzt werden.
  2. Es braucht eine Organisation vor Ort, die im Rahmen von regionalen Naturschutzzielen die Betriebe bei der Maßnahmenumsetzung begleitet und bei der Antragstellung entlastet oder sogar die Antragstellung übernimmt.
  3. Maßnahmen müssen für die überbetriebliche Umsetzung angepasst werden, um effektiv die Ziele zu erreichen. Sie müssen für die Betriebe leistungsgerecht und einkommensrelevant wirken und dafür flexibel ausgestaltet sein.

Honorierung von Ökosystemleistungen

In dem Workshop wurde die Frage erörtert, wie die Ökosystemleistungen des Biolandbaus in den Bereichen Gewässer-, Boden- und Klimaschutz sowie zum Erhalt der biologischen Vielfalt angemessen honoriert werden können und welche Förderansätze zum Ökolandbau passen. Dr. Jürn Sanders vom Thünen-Institut stellte die Ergebnisse einer Metastudie vor: Der einzigartige Systemansatz des Ökolandbaus berücksichtigt Systemgrenzen und vernetzt Systemelemente. Daraus ergibt sich seine hohe synergistische positive Gesamtwirkung auf die Umwelt. Zudem stellte Sanders ein laufendes Projekt zur Entwicklung eines leistungsorientierten Honorierungsystems für den Ökolandbau vor. Gerald Wehde vom Bioland e. V. leitete in seinem Vortrag die große Notwendigkeit zur Veränderung der EU-Agrarpolitik ab und präsentierte ein neues Denkmodell, das auch für die konventionelle Landwirtschaft eine Leistungshonorierung für das Betriebssystem vorsieht. Betriebe würden dabei eine Basisförderung erhalten, auf die spezifische Top-ups aufgesattelt werden könnten.

Zukunft biodiverses Grünland -Gelingt der Grünlanderhalt in der GAP?

Die Qualität des Grünlands verschlechtert sich durch eine Intensivierung mit häufiger Mahd, mit Techniken wie Mahdgutaufbereitern, intensiver Düngung, aber auch Nutzungsaufgabe. In der nächsten GAP-Periode wären Maßnahmen zu extensiven Weiden, Wiesen und Altgrasstreifen sinnvoll. Es werden 2,4 Milliarden Euro für eine entsprechende Ausgestaltung der gesamten GAP benötigt, wobei in der kommenden Förderperiode ein Finanzvolumen von fast 3 Milliarden Euro bei richtiger Ausgestaltung und Umschichtung zur Verfügung stünde. Eine andere Definition des Grünlands, die sich an der Nutzung orientiert und nicht nur am Bewuchs, würde dem Grünlandschutz weiterhelfen. Die Rahmenbedingungen müssen dazu beitragen, dass die Programme angenommen werden, zum Beispiel durch einen finanziellen Anreiz oder eine höhere Wertschätzung. Außerdem muss der bürokratische Aufwand begrenzt werden. Es bedarf eines guten Zusammenspiels von Konditionalität, Ökoregelungen und Agrarumweltmaßnahmen.

Landverpachtung nach Gemeinwohlkriterien

Eigentümerinnen und Eigentümer landwirtschaftlicher Flächen die diese nicht selbst bewirtschaften, haben über die Auswahl der Verpachtenden ein sehr machtvolles Instrument in der Hand. Mit dieser Auswahl werden die Weichen gestellt, ob Arbeitsplätze in der Region erhalten oder gar geschaffen werden, ob ausgeräumte Landschaften wiederbelebt werden und schlussendlich die Dörfer als Lebensraum attraktiv bleiben. Mit der Entscheidung, an wen das Land verpachtet wird, fällt auch die Entscheidung, ob eine Vielfalt an Betrieben erhalten und gefördert wird. Das bringt wiederum vielfältige, positive Effekte für Umwelt, Klima und Tierwohl mit sich. Oftmals werden diese Entscheidungen jedoch ohne großes Bewusstsein für die darin liegenden Potentiale getroffen. Deshalb hat die AbL einen Vorschlag erarbeitet, wie die Pachtvergabe im Sinne eines Gemeinwohls in Zukunft einfacher gestaltet werden sollte. Dieser Vorschlag wurde in der Arbeitsgruppe lebhaft diskutiert und erst Schritte zur Umsetzung beraten.

Abschluss

Die Workshopgebenden resümierten jeweils kurz.

  • Hier können Sie das aufgezeichnete Video des Abschlussplenums nachschauen.

Kontakt

Susanne Schniete
0228 68 45 26 75
Susanne.Schniete@ble.de

Camilla Bentkamp
0228 68 45 27 70
Camilla.Bentkamp@ble.de

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